Kontakt

Postadresse

Aktionsgemeinschaft Stuttgart der Angehörigen psychisch Kranker e.V.                                           

Äxtlestraße 5a

70599 Stuttgart 

 

Telefon und Fax 

Karin Thume 

0711-454951

18.00 - 19.00 Uhr

 

Email 

k.u.j.thume@arcor.de

 

Diese Vorstellung unserer Angehörigengruppe erschien erstmalig 1985 in der Broschüre "Familien helfen sich selbst" herausgegeben u. a. von unserem Dachverband BApK e.V. Bonn.

Die Autorin ist unsere ehemalige, langjährige Vorsitzende Anneliese Fischer.

Angehörigenvereinigungen stellen sich vor

Die Aktionsgemeinschaft Stuttgart e.V.

Ende der 60er Jahre fanden in der Evangelischen Akademie Bad Boll Psychiatrietagungen statt, an denen einzelne unserer späteren Mitglieder teilnehmen. Die nachmalige Vorsitzende, Marjorie Wingler, forderte von den Professionellen, die Familie in die Behandlung des erkrankten Angehörigen unbedingt einzubeziehen. Ihre Anregung wurde von einer engagierten Sozialarbeiterin des Diakonischen Werkes, Elisabeth Harmsen, aufgegriffen, und mit ihrer Unterstützung fand sich die kleine Anzahl Angehöriger zu einer stetig anwachsenden Gruppe zusammen. Nach den ersten Treffen in Privaträumen wurde ein Raum im Evangelischen Gemeindezentrum der Stiftskirche Stuttgart zum

Die Treffen

Inzwischen, nach mehr als 25 Jahren, ist der seit 1975 eingetragene Verein auf circa 120 Mitglieder angewachsen und betreut telefonisch und in persönlichen Gesprächen viele wechselnde Nichtmitglieder. Zu den regelmäßigen Treffen am ersten Mittwoch des Monats laden wir Referenten ein, die sich uns mit Informationen aus der Psychiatrie zur Diskussion stellen. Seit 1987 haben wir ein zweites Treffen am dritten Donnerstag des Monats, das vor allem neuen Teilnehmern ausgiebig Raum zur Aussprache geben soll. Als neue Variante der Gruppengespräche bieten wir Ehe- und Lebenspartnern eigene Gesprächsabende an, da deren Probleme in der großen Gruppe für Eltern nicht ausreichend behandelt werden können.

Einmal im Jahr findet ein Ausflug statt, zu dem auch Patienten eingeladen werden. Die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen, die über die Gruppenzusammenkünfte hinausreichen, wird gerne wahrgenommen.

Schwierigkeiten beim Aufbau

Die Anlaufphase für eine Gruppe kann mitunter lange dauern. Es vergehen nicht selten ein bis zwei Jahre, bis sich eine feste Gruppe bildet. Wichtig ist, nicht den Elan zu verlieren! Man muß das Ziel im Auge behalten und daran mitarbeiten, es zu erreichen: Stärkung durch gegenseitige Hilfestellung in ausweglos erscheinenden Situationen, Erleichterung durch gemeinsames Verarbeiten von Problemen.

Auch die verschiedenen Motive der Angehörigen sind zu berück-sichtigen. Vielleicht wird jemand ganz gut mit den täglichen Anforderungen fertig, aber die darüber hinaus gehenden Fragen machen Sorge. Wie wirkt ein erkranktes Kind auf die anderen Geschwister, welche Belastung bedeutet das Zusammenleben für sie? Nicht selten sind Eltern uneins in diesen Fragen wie meistern das andere? Wie sieht es bei Ehepaaren aus, von denen einer erkrankt ist? Ungezählte Fragen, immer neue Konflikte, die man gemeinsam wenn schon nicht zu lösen so doch zu besprechen sucht.

Was soll erreicht werden?

Wir wollen, daß die Experten die Erfahrungen der Angehörigen in ihren Planungen für die Behandlung und Betreuung unserer Patienten mit berücksichtigen.

Aufklärung und Information gehören ebenso zu unseren Aufgaben. Wichtig ist, die Politiker für die Belange seelisch erkrankter Menschen zu aktivieren. Man muß auf jede Weise versuchen, daß die Anliegen der Angehörigen größere Beachtung finden, daß man ihre große Not erkennt. Die Aktionsgemeinschaft Stuttgart ist Mitglied im kommunalen Psychiatriearbeitskreis, der für den Auf- und Ausbau der erforderlichen Strukturen in der lokalen Psychiatrielandschaft verantwortlich ist und dem Sozialausschuß zuarbeitet. Als vordringlich wird die Einrichtung eines psychiatrischen Krisen- und Notfalldienstes gefordert. Wir setzen uns für die Schaffung betreuten Wohnens ein, damit unsere Kranken nach der Klinik angemessen untergebracht und betreut werden können. Ebenso treten wir dafür ein, daß die stationäre Versorgung ausreichende Bettenkapazität und Personalausstattung aufweist.

Die Mitarbeit in den Arbeitskreisen Psychose-Seminare ist ein weiterer Fortschritt der letzten Jahre. Dazu kommt die Beteiligung in der Beschwerdestelle Stuttgart, der Psychosozialen Arbeits-gemeinschaft angegliedert, die seit 1994 besteht und sich sowohl als Patientenfürsprecher wie auch als Mittler für die Anliegen der Angehörigen sieht.

Die Stuttgarter Aktionsgemeinschaft hat in den vergangenen Jahren nicht nur neue Mitglieder gewonnen. Sie konnte durch ihre Mitwirkung in Arbeitskreisen und Gremien ihren Einfluß geltend machen und ist anerkannt als bedeutender Faktor in  den Diskussionen um den Aufbau eines gemeindepsychiatrischen Verbundes, wie ihn die neuen Richtlinien zur psychiatrischen Versorgung unserer Stadt fordern.

Sie hat an der Gründung des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch Kranker e.V. 1985 ebenso mitgewirkt wie 1986 am Zusammenschluß der Gruppen Baden-Württembergs zu einem Landes-verband. Die bundes- und landesweiten Fachtagungen erreichen inhaltlich und organisatorisch ein auch von Fachleuten beachtetes Niveau! Angehörige als Experten in Bezug auf das Zusammenleben und auf die eigenen und die Bedürfnisse der betroffenen Familien-mitglieder werden als wichtige Ergänzung zur professionellen Versorgung psychisch Kranker anerkannt.

Trotzdem gibt es noch viele offene Fragen und Forderungen.Es wird weiterhin unser aktives Engagement nötig sein, damit psychiatrische Versorgung nicht mehr ohne die Angehörigen denkbar ist und alle Beteiligten zu einer humaneren und menschenwürdigeren Einschätzung psychischen Leidens gelangen.